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Nostalgie und Joystick. - Druckversion

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Nostalgie und Joystick. - ScoreAddict - 24.06.2013

Prolog und Rückblick (Fotos von anderswo).

Am Anfang gab's diese Dinger von Atari (CX40). Ein ebenso banales wie robustes Design - und Folter bei längerem Spiel für die Hände. Auch der Knopf war ziemlich schlecht. Kein Feedback.

[Bild: 319738068_ddffebf727.jpg]

So einer kostete 35-40 DM. Man konnte sie am Atari VCS (später "Atari 2600") sowie an allen wichtigen (lies: Commodore) Computern anschliessen.


[Bild: commodore-joystick.jpg]

Auch Commodore hat so ein Ding rausgebracht. Noch übler für die Hände als die von Atari - und bei weitem nicht so robust. Aber dafür auch billiger - 20-25 DM.

[Bild: joystick_quickshot_1_01.jpg]

Dann, 1985 wurde mir etwas von einem neuen Joystick erzählt. Er sollte besser und anders sein. Und er war teuer - 55 DM! Aber ich habe mir so einen gekauft und war für 3 Wochen glücklich.

Der untere Feuerknopf war genauso übel wie beim Atari und das Feeling schon nach kurzer Zeit schwammig (weil ausgeleiert). Die Saugnäpfe waren sinnlos für mich wegen Stofftischdecke. Und der Joystick war nach 3 Wochen hinüber.

[Bild: quickshot_2.jpg]

Einige Zeit später kam dann der QuickShot II. Der lag schon richtig gut in den Händen. Hatte zwei Feuerknöpfe und einen Schalter für "Autofeuer". Und kostete 60 DM.

Allerdings hatte er dieselben miesen Kontaktplättchen wie Model I. Und war nach 8 Wochen genauso hinüber. Aber diesmal habe ich ihn mit einem selbstgemachten Kontaktplättchen aus einer Pullmoll-Dose (!) selber repariert. Naja, für mich hat's zum Spielen gereicht.

Von diesem Joystick hatte ich wohl 2 oder 3. Die wurden auch schnell billiger - 30-40 DM.

[Bild: competitionpro.jpg]

Der Competition Pro, den viele schon damals bevorzugten (noch ohne Micro Switches), gefiel mir gar nicht. Der Bommel oben lag nicht gut in meiner Hand und die Plastik wirkte zu "glatt" zum richtig Festhalten. Und die Feuerknöpfe waren nach dem QuickShot II ein Rückschritt. Auch die späteren Revisionen - inkl. der Miniversionen usw. - haben mir nicht zugesagt.

Schliesslich kam der Joystick, den ich bis heute für "meinen Besten" aus dieser Ära halte - der QuickShot II Plus. Der wurde damals auch ausdrücklich "mit Micro Switches" beworben und so nannten wir den auch "Quickshot II mit Micro Switches".


Die Gegenwart (eigene Fotos, Klick zur grossen Version).

Heute war ich zum ersten Mal auf einem Montagsflohmarkt. Trotz geringer oder vielmehr mangels jeglicher Erwartungshaltung fielen mir prompt mehrere QuickShots auf. Zwischenzeitlich achte ich auf sowas.

Die meisten waren die IIer-Modelle ohne Micro Switches. Aber einer war ein II Plus und das andere der II Turbo. Natürlich wurden beide mitgenommen.


Der Spectravideo QuickShot II Plus (SVI-102 Plus).

[Bild: abqZS66u.jpg]

Ah, frisch vom Flohmarkt! Der Preiszettel (2 Euro) klebt noch daran. Und da klebte leider noch erheblich mehr, weil der Typ die Kabel mit einem Paketband zusammenkleben musste! Macht doch nicht so einen Scheiss!

[Bild: abbDa05t.jpg]

Die Patina von 25+ Jahren. Das Kabel sah übel aus (weiss verkrustet) und die Saugnäpfe wirkten wie angeschimmelt.

[Bild: acdBRVSc.jpg]

Auch die zwei Feuerknöpfe kamen mit Micro Switches. Der Competition Pro brauchte dafür noch bis zur dritten Revision.

[Bild: act2VeIv.jpg]

Die Platine ist so schlicht und brachial wie 80er Jahre Technik häufig ist. Die Micro Switches schauen immer noch gut aus und funktionieren auch tadellos!

[Bild: adbefkba.jpg]

Die Rückseite der Platine. Der letzte Schritt der Fertigung fand damals noch von Hand statt. Kratzer und allerlei Improvisation inkl. Dieser Joystick war kein sehr fein gefertigtes oder teures Gerät. Aber für mich dennoch besser als die Konkurrenz.

[Bild: acug7e40.jpg]

Ein Saugnapf von 1986. Der Kunststoff wird schon mürbe. Aber saugt immer noch.

[Bild: acm0mwuJ.jpg]

Gereinigt, überholt, durchgecheckt. Läuft wunderbar! Und genauso leicht "schwabbelig", wie ich es in Erinnerung hatte.

[Bild: acuYkTix.jpg]

Liegt immer noch gut in meiner Hand.

[Bild: adkEqoYB.jpg]

Dauerfeuer geht auch noch einwandfrei.

[Bild: acrs0tr8.jpg]

Hm. Ob dieses Patent wohl durchgekommen ist?


Übergang: Was danach kam.

Irgendwann gab's den QuickShot II Plus natürlich nicht mehr neu. Und trotz Micro Switches waren die auch irgendwann am Ende.

Glücklicherweise hatte Spectravideo noch einmal ein gutes Händchen mit dem QuickShot II Turbo bewiesen. Und den gab es auch noch bis weit in die 90er Jahre. (Wenn auch nicht unbedingt unter ihrem eigenen Namen.) Bis ich meinen Amiga 1200 Ende der 90er Jahre in den Karton verpackt habe, blieb das mein liebster Joystick. OK, danach kam noch der Microsoft Force Feedback Pro. Aber das war an der ollen Dose. Und die zählt nicht. Wink


Der Spectravideo QuickShot II Turbo (QS-111).

Der hier lag in einer Kiste neben den IIs. Und da ich recht happy war, achtete ich nicht auf diverse wichtige Details...

[Bild: adecVc98.jpg]

Und wieder mit Paketband die Strippe geklebt...

[Bild: abxHbRKo.jpg]

Dauerfeuer und ein Modus für den Anschluss an den Schneider CPC 464 gab's zum überarbeiteten Design noch dazu.

[Bild: acj79zkj.jpg]

Erst daheim dann das "Hoppla"! Was ist denn das für ein Anschluss? DIN 6-polig? Und wie toll oxidiert er ist...

[Bild: advsu3fZ.jpg]

Auf den ersten Blick ist der Griff nicht vom QuickShot II Plus zu unterscheiden. Und warum auch, das Konzept hatte ja funktioniert. Allerdings sind die Formen nicht exakt passgleich.

[Bild: addeGmqZ.jpg]

Die Platine ist etwas kleiner und wesentlich "anonymer" bezeichnet als
beim Vorgänger. Kein Wunder, denn dieser Joystick wurde auch von einigen
anderen Anbietern unter anderem Namen verkauft.

Hier wird dann auch schnell klar, dass ausser dem Anschluss noch viel mehr modifiziert wurde! Der Dauerfeuer-Schalter
und die ganzen Bauteile sind alle weg! Wurde das vom Werk her gemacht, damit der Joystick am anderen System lief? Oder hat hier einer Tabula Rasa gemacht, weil etwas nicht ging? Schwer zu sagen.

[Bild: abetABUT.jpg]

Auf der Rückseite wurden die Feuerknöpfe entsprechend überbrückt. Brachial!

[Bild: adrrDjAF.jpg]

Qualitativ sieht man hier mal einen wesentlichen Unterschied zum Vorgänger! Der Hebel des Vorgängers (links) ist noch aus drei Teilen, mit einer mittig gelagerten Metallfeder und einem Kranz aus Schaumstoff. Beim neuen (rechts) ist der Hebel nur noch aus einem Guss.

Dennoch liegt der neuere Joystick gut in der Hand und wirkt beim Steuern sogar etwas "robuster". Es scheint hier also nicht zuviel oder am falschen Ende gespart worden zu sein.

[Bild: adecbZwB.jpg]

Saubergemacht, gecheckt und überprüft! Geht wieder einwandfrei!

[Bild: acpmZYMh.jpg]

Die andere Strippe wurde entfernt und das Kabel durch das von einem Schrott-Joystick ersetzt. Die Beschaltung steht ja zum Glück auf der Platine.

[Bild: adwoOs3q.jpg]

Auf Dauerfeuer muss man leider verzichten. Evtl. könnte man die Bausteine neu bestücken. Sie stehen ja auch korrekt auf der Platine. Schwieriger wird der 10polige Schalter selber. Ob's den überhaupt noch gibt?

[Bild: adohdkOu.jpg]

Ja, die Qualitätskontrolle wurde in der Tat bestanden! Steuert wunderbar und feuert genauso.


Hoffe es hat euch gefallen.


ScoreAddict.
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- Jochen - 25.06.2013

Huii, da haste dir aber Arbeit gemaht! Klasse!
Sehr interessant auf jeden Fall und an sich viel zu schade für die Rubrik?

Mal sehen, ob ich das verschieben kann... wüsste aber grad nicht, wie...?

...den letzten roten Joystick hatte ich auch sehr lange und sehr gern genommen. Smile


- Dadys_Toy - 25.06.2013

Tolle Geschichte und auch prima in die Neuzeit gerettet.
Ich fand die CompPro auch immer total bescheuert. Allerdings hatte ich nie einen, nicht mal in echt zu Gesicht bekommen. Wink Heute weis ich nun über deren praktische "Unkaputtbarkeit" und hab selbst mind. 2 davon. Alle anderen Joysticks die ich habe nehme ich nun nicht mehr. Meine C64/Amiga Zeit habe ich mit diesem verbracht:

[attach=170][/attach]

mfg Smile


- Jochen - 25.06.2013

Die Minis vom Comp Pro sind nicht schlecht, aber irgendwie geht Pad doch am besten. Big Grin